Blogbeitrag vom 31.08.2026 KI-Führerschein

Verkehrsregeln: Bedeutung des AI Acts für Liechtenstein

Mitarbeitender übergibt eien Checkliste für den EU AI Act.

Montagmorgen. Ein KMU setzt seit Monaten KI ein – für Protokolle, Anfragen, interne Recherchen. Es gibt kein Handbuch, keine Schulungsnachweise, keine Dokumentation darüber, welche Systeme zu welchem Zweck genutzt werden. Das Problem: Seit 2. August 2026 sind die neuen gesetzlichen Bestimmungen des EU AI Acts sanktionsfähig. Kennst du die Verkehrsregeln für KI bereits – und weisst du, ob sie auch für deine Organisation gelten?

Tatsache ist: Die gesetzlichen Pflichten des EU-Regelwerks gelten über das Marktortprinzip bereits heute für Liechtenstein. Wer jetzt handelt, ist deshalb deutlich entspannter mit KI unterwegs.

Neue Verkehrsregeln für KI – auch mit FL-Kennzeichen.

Viele Organisationen in Liechtenstein gehen fälschlicherweise davon aus, dass der EU AI Act sie (noch) nicht betrifft. Das ist ein Irrtum. Die Landesverwaltung hält fest: Der Rechtsrahmen gilt für öffentliche und private Akteure auch ausserhalb der EU – sofern ein KI-System auf dem EU-Binnenmarkt bereitgestellt oder von Personen im EU-Raum genutzt wird. Dieses sogenannte Marktortprinzip greift sofort, unabhängig davon, wo die Server stehen.

Als Beispiel: Für eine Treuhandkanzlei, die Mandantendaten mit KI aufbereitet und dabei auch österreichische oder deutsche Kund:innen bedient, gelten die Bestimmungen daher schon jetzt. Darüber hinaus ist Liechtenstein als EWR-Staat verpflichtet, den AI Act in nationales Recht zu übernehmen. Spätestens nach dieser formellen Übernahme gelten die Regeln auch für rein liechtensteinische Konstellationen – also selbst dann, wenn kein direkter EU-Bezug besteht.

Kurz-Check: Fährst du schon nach den neuen Regeln?

  • Weisst du, in welche Risikoklasse die KI-Systeme deiner Organisation fallen?
  • Gibt es in deiner Organisation nachweisbare Schulungen der Mitarbeitenden zum KI-Einsatz?
  • Werden KI-generierte Bilder (die mit realen Szenen zu verwechseln sind) in deiner Kommunikation als solche gekennzeichnet?
  • Werden KI-generierte Texte vor deren Publikation redaktionell überprüft (oder alternativ als KI-Generation gekennzeichnet)?
  • Ist dokumentiert, welche KI-Systeme du einsetzt, zu welchem Zweck – und wer dafür verantwortlich ist?
  • Gibt es bei euch eine (schriftliche, einfach auffindbare) interne KI-Richtlinie?

Wenn du mehrere dieser Fragen verneinen musst, ist das nicht zwangsläufig eine Tragödie. Aber es ist ein klares Zeichen, dass deine Organisation nicht einfach schneller fahren sollte, sondern zuerst Ordnung ins Cockpit bringen muss.

Wer bereits mit KI-Führerschein unterwegs ist, kennt die Verkehrsregeln.

Genau hier setzt kaio an – der KI-Workspace für Liechtenstein, den walsermedia als Managed Service betreibt und inkl. Setup, Schulungen und Weiterentwicklung persönlich betreut. Die gute Nachricht: Wer KI bereits strukturiert und dokumentiert einsetzt, ist gegenüber dem AI Act deutlich besser aufgestellt als Organisationen, die KI noch ohne klare Regeln nutzen. Konkret bedeutet das drei Dinge:

  1. Risikoklassen und Dokumentation: Ab dem 2. August 2026 müssen Organisationen ihre KI-Systeme einer Risikoklasse zuordnen und dies dokumentieren. Für die meisten Anwendungsfälle gilt die Kategorie «minimales oder begrenztes Risiko» – also Protokolle, Zusammenfassungen, interne Recherchen, Kommunikation. Das bedeutet: Transparenzpflichten ja, aufwändige Konformitätsbewertungen nein. Wer die eingesetzten KI-Systeme kennt, ihren Zweck dokumentiert hat und weiss, wer Zugriff hat, erfüllt den Kern dieser Anforderungen bereits. kaio liefert dafür die Grundlagen: Rollen- und Rechtemanagement, nachvollziehbare Outputs und eine strukturierte Governance-Basis.
  2. Schulungen und Nachweise: Seit dem 2. Februar 2025 gilt die AI-Literacy-Pflicht, d.h Unternehmen müssen sicherstellen, dass Mitarbeitende, die KI einsetzen, nachweislich geschult sind. Die Schulungen, die walsermedia für kaio durchführt, und das Zertifikat, das Mitarbeitende danach erhalten, sind genau das – ein dokumentierter Nachweis. Damit sind das Fahrtenbuch geführt und der Führerschein hinterlegt.
  3. Datenverarbeitung und Serverstandort: Der AI Act baut auf der DSGVO auf – er ersetzt sie nicht. Für Organisationen, die beide Regelwerke gleichzeitig einhalten müssen, ist ein konsistentes Governance-Konzept entscheidend. kaio speichert alle Daten auf sicheren Servern in Liechtenstein, der Schweiz oder der EU – je nachdem, was die Organisation bestimmt.

Wer die Regeln kennt, ist sicherer unterwegs.

Der EU AI Act betrifft Gemeinden, Kanzleien und KMU in Liechtenstein gleichermassen – heute über das Marktortprinzip, morgen über die EWR-Übernahme. Wer KI bereits mit Führerschein fährt – also mit Schulungen, Dokumentationen und klaren Zuständigkeiten unterwegs ist – ist nicht nur compliant. Er fährt auch deutlich entspannter.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Gesetzliche Angaben basieren auf dem aktuellen Stand der Recherche und sollten vor unternehmerischen Entscheidungen mit einer Fachperson geprüft werden.

Gilt der EU AI Act bereits für liechtensteinische Unternehmen?

Gilt der EU AI Act bereits für liechtensteinische Unternehmen?

Ja – auf zwei Ebenen. Erstens über das Marktortprinzip: Wer ein KI-System auf dem EU-Markt anbietet oder wessen KI-Outputs von Personen im EU-Raum genutzt werden, fällt bereits heute unter den AI Act. Das gilt unabhängig davon, wo das Unternehmen seinen Sitz hat. Zweitens über die EWR-Mitgliedschaft: Liechtenstein ist verpflichtet, den AI Act in nationales Recht zu übernehmen – womit er künftig auch für rein liechtensteinische Konstellationen verbindlich wird.

Welche Pflichten gelten bereits heute und was kommt noch auf uns zu?

Welche Pflichten gelten bereits heute und was kommt noch auf uns zu?

Seit dem 2. Februar 2025 gelten zwei wichtige Pflichten: das Verbot bestimmter KI-Praktiken – zum Beispiel manipulative KI, Social Scoring oder Emotionserkennung am Arbeitsplatz – und die AI-Literacy-Pflicht, also die nachweisliche Schulung von Mitarbeitenden. Weiteren Pflichten – insbesondere Transparenzpflichten, Dokumentationspflichten und Risikoklassifizierung – sind ab dem 2. August 2026 anwendbar.

Welche Risikoklasse haben typische KI-Anwendungen?

Welche Risikoklasse haben typische KI-Anwendungen?

Die meisten Anwendungen – Sitzungsprotokolle, Mandatszusammenfassungen, interne Recherchen, Kommunikation – fallen in die Kategorie «minimales oder begrenztes Risiko». Das bedeutet: Transparenzpflichten und Dokumentationspflichten ja, aufwändige Konformitätsbewertungen nein. Hochrisiko-Einstufungen entstehen typischerweise erst dann, wenn KI-Systeme rechtlich relevante Entscheidungen über Personen treffen – zum Beispiel in der Personalauswahl oder bei behördlichen Entscheidungen (Achtung: Diese Einschätzung ersetzt keine Rechtsberatung).

Was ist die AI-Literacy-Pflicht und wie kann ich sie nachweisen?

Was ist die AI-Literacy-Pflicht und wie kann ich sie nachweisen?

Die AI-Literacy-Pflicht verlangt, dass Unternehmen sicherstellen, dass Mitarbeitende, die KI einsetzen, in angemessener Weise geschult sind und deren Funktionsweise und Risiken verstehen. Der Nachweis erfolgt beispielsweise über dokumentierte Schulungen. Das Zertifikat, das Mitarbeitende nach der kaio-Schulung erhalten, ist genau dafür gedacht – es dokumentiert, dass KI in deiner Organisation strukturiert und verantwortungsvoll eingeführt wurde.

Was sind Transparenzpflichten und was bedeuten sie für meine Website oder meinen Chatbot?

Was sind Transparenzpflichten und was bedeuten sie für meine Website oder meinen Chatbot?

Transparenzpflichten sind Vorgaben des EU AI Acts, die Nutzer:innen davor schützen sollen, KI nicht mit Menschen oder von Menschen gemachten Inhalten zu verwechseln. Für Websites oder Chatbots bedeutet das ab dem 2. August 2026:

  • Chatbot/Assistent: Nutzer müssen spätestens zu Beginn der Interaktion klar informiert werden, dass sie mit einem KI‑System sprechen – ein versteckter Hinweis im Impressum reicht nicht.
  • KI‑Inhalte (Text, Bild, Audio, Video): Wenn Inhalte weitgehend von KI erzeugt, mit echten Inhalten verwechselt werden können und ohne echte redaktionelle Kontrolle veröffentlicht werden, müssen sie als künstlich erzeugt gekennzeichnet sein.
  • Deepfakes oder realistisch wirkende KI‑Medien: Es muss offengelegt werden, dass sie künstlich erzeugt oder manipuliert sind.

Muss ich als Organisation eine Datenschutzfolgeabschätzung durchführen?

Muss ich als Organisation eine Datenschutzfolgeabschätzung durchführen?

Das hängt vom Einsatzkontext ab. Eine Datenschutzfolgeabschätzung – kurz DSFA – ist gemäss Art. 35 DSGVO dann erforderlich, wenn die Verarbeitung personenbezogener Daten voraussichtlich ein hohes Risiko für betroffene Personen mit sich bringt. Das ist insbesondere der Fall, wenn

  • KI im Kundensupport / zur Interaktionssteuerung oder zur Bewertung persönlicher Aspekte eingesetzt wird
  • durch KI automatisierte Entscheidungen mit Rechtswirkung bzw. ähnlich erheblicher Wirkung erfolgen.
  • durch KI besondere Kategorien von Daten (z.B. Gesundheits‑, Religions‑, biometrische Daten) umfangreich verarbeitet werden.
  • durch KI öffentlich zugängliche Bereiche systematisch und umfangreich überwacht werden.
  • durch KI Daten in grossem Umfang verarbeitet oder aus verschiedenen Quellen zusammengeführt werden.
  • Informationen durch neue Technologien verarbeitet werden, deren Auswirkungen schwer absehbar sind.

walsermedia empfiehlt beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz deshalb eine DSFA durchzuführen und die Ergebnisse schriftlich festzuhalten (Achtung: Diese Einschätzung ersetzt keine Rechtsberatung).

Was passiert, wenn ich die Regeln nicht einhalte?

Was passiert, wenn ich die Regeln nicht einhalte?

Der AI Act sieht abgestufte Bussgelder vor. Verstösse gegen die Verbote unannehmbar riskanter KI-Praktiken können bis zu 35 Millionen Euro oder sieben Prozent des weltweiten Jahresumsatzes kosten. Für andere Verstösse – etwa fehlende Transparenzkennzeichnung oder unzureichende Dokumentation – sind ebenfalls empfindliche Bussgelder vorgesehen. Mit dem 2. August 2026 sind viele dieser Pflichten sanktionsfähig.

Bereit, KI geordnet und sicher einzuführen?

Mit kaio begleitet walsermedia deine Organisation Schritt für Schritt – von den ersten Regeln bis zum laufenden Betrieb. Persönlich betreut, verständlich erklärt und datenschutzkonform.